Schreibraum

SpätLese


Kostproben von Teilnehmenden aus Kursen und Workshops

Schreibzeit

Innere Einkehr
statt äußere Taktung,
im Fluss sein,
konzentriert, motiviert
das Leben erkundend,
sich im Schreiben finden.
Eine Tür öffnet sich.
Beate Reese

Rote AnMut

Schau, ihre Augen,
glasklar leuchten sie die Welt an!
„Ich bin hier“, sagen sie,
„mit all meinem Können.
Ich stehe aufrecht
und zeige offen all meine Kunst.
Es wird mich nichts schrecken,
das lass ich nicht zu
Hier bin ich!“

Schau, auf das Rot
es steht für ihren Mut!
„Ich bin wach“ sagt es,
„denn das ist, was ich will.
Gegen alle Widerstände
baue ich auf meine Kraft.
Kannst du ihn sehen,
den Glanz der Leidenschaft?
Hier bin ich!“

Schau, die Entschlossenheit,
eine stille, aber tiefe Energie!
„Ich strahle aus“ bedeutet sie,
„was ich in mir habe.
Mit meiner Stärke
stehe ich hier
mitten im Leben
und auch neben dir.
Hier bin ich!“

Schau, der Kopf trägt Signal,
setzt ein deutliches Kontra!
„Ich stehe auf“ ruft es aus,
„ich erhebe mich und zeige
ganz bewusst mein Sein.
Farbe und Form -
Symbole und Ausdruck
gewonnener Freiheit.
Hier bin ich!“

Schau, eine starke Frau,
rote AnMut, sie spiegelt sich selbst!
„Ich bestimme“ verspricht sie sich,
„was ich kann und was ich brauch´
um m e i n Ziel zu erreichen.
Hat es Wert oder auch nicht,
wer will das entscheiden?
Letztlich zählt er nur für mich.
Also voran: hier bin ich!“

"Hommage für eine mutige Frau" / Jan. 2025
Online-Schreibprojekt "Vom Bild zum Wort"
Impuls: Ottilie Roederstein, "Selbstbildnis mit roter Mütze"
Angelika Fernhomberg

Farbenstreit

Rot an Schwarz: Was fällt dir ein, so frech über uns hinweg zu fegen?

Weiß kontert: Ach, beruhig dich, mit meinem strahlenden Weiß entkräfte ich jedes Schwarz – es ergraut vor Ärger.

Schwarz an Weiß: Jetzt treib es mal nicht auf die Spitze.

So, so, das macht auch mich nicht froh, fauchte das Blau.
Ich fühle mich in meiner Strahlkraft von dem Weiß in den Hintergrund gedrängt. Dabei habe ich einen königlichen Stammbaum, Königsblau ist eine Verwandte von mir.

Help, Help – quiekte das Gelb.
Ich bin in Not – rief lauthals das Rot.
Mir wird ganz bange – heulte das Orange.
Das ist doch ein Wink – sinnierte das Pink.

Jetzt wird´s uns aber zu bunt – brüllten alle Farben im Chor und begannen wild durcheinander zu tanzen. Hoffentlich landen wir nicht alle in einem großen Topf, dann sehen wir nur noch schwarz – so zeterten die Farben in heller Aufregung.
Wir müssen ans Licht, dann sind wir wieder sichtbar, riefen auf einmal das aufgeregte Rot und Orange.

Plötzlich kehrte Stille ein: wie von Zauberhand geführt, beruhigten sich alle Farben, denn sie fanden jede einen Platz auf einer frischen Leinwand. Sie waren alle sichtbar und strahlten in gemeinsamer Farbenpracht.

Online-Schreibprojekt "Vom Bild zum Wort" / Apr. 2025
Impuls: Alexandra Exter, "Konstruktion von Flächen gemäß der Bewegung von Farbe"
Brigitte Germeroth

Zweizeiler

Ein Ansturm der Bilder kommt ohne jeden Druck.
Ein Halteknopf im unscharfen Augenblick, der als Quelle des Mutes dient.


Inspiriert durch ein Wortpuzzel und das Wort „Ach“ aus dem Gedicht „Ach bleib“
von Ulla Hahn
Florian Bühne

Eintauchen

Wie schön ist das Bilderbuch! Danke, Tante.
Die schönen Blumen und die großen Bäume, meinst du, sie reden miteinander?
Kind, das weiß ich doch nicht. Ich habe sie noch nie reden gehört.
Vielleicht reden sie in einer anderen Sprache oder unterirdisch? Schau mal, die entzückenden Lämmchen in der Sonne. Sie reden bestimmt miteinander. Und die Vögel oben auf dem Baum, wie heißen die denn?
Friedrich und Udo.
Bist du sicher?
Fast.
Und schau, der Schäferhund. Der tut mir leid. Er ist ganz allein und an einer Kette. Ich glaube, er hat gar keine Freunde. Ist das nicht traurig?
Das ist nur ein Bilderbuch, Kind! Die sind doch alle nicht echt. Und du bekommst schlechte Augen, wenn du immer mit der Nase so dicht über den Seiten hängst. Pass mal auf, sonst fällst du noch hinein in deine Bücherwelt und kommst nicht mehr raus.
Ach, wäre das nicht schön? Dann hätte ich all die Tiere als Freunde und nicht nur Mama und dich. Ich wäre gern da drin.

Schwester, wo hat sich die Kleine nur wieder versteckt? Sogar ihr Buch hat sie vergessen. Schau mal, das Kind dort mit dem Hund, wie süß. Es sieht ihr fast ein wenig ähnlich.

Online-Schreibprojekt / Mai 2025
Impuls: Helen Allingham, "Das Bilderbuch"
Helga Kenis

Aufgehoben sein

zwischen
mutter und
kind sei eine
besonders enge bindung
sagt man doch das glaube ich
nicht dass das zwingend so sein muss
denn diese nähe und enge beziehung habe
ich nie kennenlernen dürfen weder als Kind fühlte
ich mich sicher und geborgen bei meiner mutter noch in
späteren jahren wurde dieses band zwischen uns sichtbar es
existierte eben nicht wurde niemals geknüpft aus mir nicht bekannten
gründen dieses loch konnte auch nicht gestopft werden weil die basis
fehlte von anfang an und man zwar brüche oberflächlich kitten kann doch ganz
heile wird die sache dann trotzdem nicht auch wenn man vergibt und verzeiht das
urvertrauen wurde nicht aufgebaut und eine gewisse fremdheit bleibt und wenn man
dann gehofft hat dass man erlebte defizite gut machen kann wenn man selbst mal
mutter ist kann das auch daneben gehen zum beispiel wenn einem trotz des wunsches
die mutterschaft versagt bleibt da kann dann leider wieder keine einheit erlebt werden
zwischen mutter und kind dieses vollkommene aufgehoben sein als idealzustand
zeigt die künstlerin in ihrem bild doch ich kann nur sehnsüchtig schauen
und träumen von dieser eng verknüpften zweisamkeit dieser
geborgenheit dieser wärme die so wohlig
blau einhüllt und dem kind
sicherheit gibt und
stärke

Online-Schreibprojekt / Dez. 2024
Impuls: Paula Modersohn-Becker, "Mutter und Kind"
Doris Peukert

Angekommen

„Uff, ist das schwer!“ Den soeben auf dem Flohmarkt erstandenen Spiegel unter dem Arm und beladen mit weiteren Einkaufstaschen und Päckchen, öffnet sie die Tür zu ihrer neuen Mansardenwohnung. Etwas zögerlich betritt sie die Diele – es ist alles noch so ungewohnt – und lädt erst einmal ab: „Das hätten wir!“ Voller Freude und Tatkraft packt sie die Taschen aus, holt dann ihr Werkzeug und schlägt im Flur einen großen Nagel in die Wand. Schwuppdiwupp wird der neue Spiegel aufgehängt. Sie wagt einen lachenden Blick hinein: Ja, so sieht eine selbstständige, zufriedene Frau aus, die ihrem Traum gerade wieder ein Stück näher gerückt ist!
Käthe kann ihr Glück kaum fassen. Letzte Woche konnte sie sich in München an der Akademie für Künstlerinnen einschreiben. Ihre Mappe war wohlwollend begutachtet und mit einigem Lob bedacht worden. Die erste Hürde genommen! Vorgestern schloss sich – durch Vermittlung von Freunden – eine Wohnungsbesichtigung an. Und ein weiteres Mal war sie erfolgreich. Besser hätte es kaum laufen können. Nun hat sie, als alleinstehende Frau, in ihrer gewünschten Stadt ein eigenes kleines Reich! Es ist teilmöbliert, und sie wird es durch Ergänzung persönlicher Gegenstände bald gemütlich und individuell herrichten.
Flugs schnappt sie sich Skizzenblock, Stift und Tuschepinsel und hält diesen wunderbaren Augenblick als Selbstbildnis fest: Käthe im Glück!

Online-Schreibprojekt / Mrz. 2025
Impuls: Käthe Kollwitz, "Selbstbildnis en face"
Doris Peukert

Ü, HÜben, DrÜben

Ü
Es kommt so symmetrisch daher, ästhetisch, dynamisch, mit gleichmäßigen SchwÜngen und von kecken PÜnktchen gekrönt.
Zwischen gespitzten Lippen entsteht sein Klang, vom Atem getragen, ein Hauch.
FÜllt sich das Ü mit Inhalt, bÜndelt es GlÜck oder Übel. HÜben und DrÜben


HÜben

NatÜrlich
Im Glanz des GlÜckes blÜhen
FrÜhling in HÜlle und FÜlle
FrÜhblÜher pflÜcken
fÜr Feste schmÜcken
Sich nach FrÜchten bÜcken
In PfÜtzen hÜpfen
BÜndnisse knÜpfen
dÜrfen, nicht mÜssen
WÜnsche erfÜllen
Ideen, die beflÜgeln
BÜcher, die beglÜcken
KÜhnheit und GÜte
Schöne KÜnste
FÜrsorge spÜren
Hände, die berÜhren
Küsse, die verfÜhren
stÜrmische GefÜhle
heiteres GemÜt
herzliches GrÜßen
ein StÜck vom Kuchen
eine TÜte voll SÜßem
genÜsslich frÜhstÜcken
AusflÜge ins Blaue
laue LÜfte
betörende DÜfte
sanfte grÜne HÜgel
pÜnktliche ZÜge
wärmende MÜtze
bei Wind an der KÜste
gemÜtlich sich lÜmmeln
gÜltige Papiere
mÜndige BÜrger
sich öffnende TÜren
BrÜcken bauen
in WÜrde leben
BedÜrftige schÜtzen
Kinder hÜten
um einander sich kÜmmern
vor Begeisterung sprÜhen
glÜcklich sein!


DrÜben

Nasse FÜße im KÜhlen
Stiche von MÜcken
Schmerzen im RÜcken
unnÜtze GebÜhren
bÜrokratische HÜrden
ÜberfÜllte FlÜge
zu schwere BÜrden
MÜll und GÜlle
politisch braune BrÜhe
falsche GelÜbde
dÜnne SÜppchen
FlÜstern in GrÜppchen
GerÜmpel in TÜmpeln
Sinnloses Üben
mÜssen, nicht dÜrfen
in Bergwerken schÜrfen
im TrÜben fischen
verrÜckte FÜhrer
auf großen BÜhnen
die brÜllen und wÜten
Hass und Ohnmacht schÜren
sich rÜhmen
prÜgeln ohne Reue
sÜndigen ohne SÜhne
Andersdenkende entmÜndigen
Menschen zermÜrben
Schutzräume stÜrmen
BrÜcken zerstÜckeln
TrÜbsal und TrÜmmer
Tödliche SchÜsse
Kinder auf KrÜcken
mÜde Menschen, die flÜchten
sich fÜrchten
von Ängsten bedrÜckt
Zukunft gekÜndigt
kein ZurÜck!

In Resonanz auf die Beschäftigung mit dem Klang eines Vokals / März 2025
Hiltrud Kuhl

Nie ohne das kleine i

Im Himmel, Universum und in Galaxien
von mikroskopisch bis gigantisch springt das kleine i,
wirbelt im Wind, blinkt wie ein Diamant.
Ich bin i, ich bin ehrlich, ich bin interessant!
Es umschwirren mich Libellen, die faszinieren,
mir kleinem i wird gewiss nichts Schlimmes passieren.

Ich wippe lustig, bin pfiffig und witzig,
integriere mich im Eiskristall, in windig und hitzig.
Simpler klingen streifig und kariert,
bürokratisch liniert und mit Tinte signiert.
Ich winde mich im Mist, bei Gewitter und Blitz,
Politik ist komisch wie ein schmutziger Witz.
Diplomatie ist geschickt, doch in Deals nicht mehr in,
verliere ich, kleines i, meinen tieferen Sinn?
In Trumpisten vegetiere ich vergiftet dahin,
existiere widerwillig in Putins Hintern und Kinn.

Verwirrt in zensiert, irritiert in blamiert
frag‘ ich, was mit i in Handschrift passiert,
wenn Digitalisierung mich eliminiert?
Wenn KI und Bitcoins mich umzingeln,
wenn Radikalisierung und Nazismus mich gierig verschlingen?
Remigration stinkt mir wie Taliban-Regime,
wie Antisemitismus und Nieten zieh’n.
Ich bin nicht angefixt von Heroin,
vermisse nie Diesel, Benzin, Kerosin.
Klimawandel ist kein Aktivisten-Narrativ!
Hitze denaturiert Protein, irreversibel massiv!
Ich schwitze im Kohlendioxid, ich kleines i,
Klima-Selbstabkühlungs-Theorie ist leider Utopie!
Ich switch im I-Phone auf Vibration,
im Display blinkt „Vorsicht vor DeepFake-Suggestion!“

Ich zittre bei Militärischer Konfrontationsstrategie,
wo hinein bin ich geschlittert, ich kleines i?
Doch ich sinke nicht ausradiert in die Knie,
ich schrille die vier Silben: De mo kra tie!
Ich verliere nie meine kreative Magie
in Geschichten und Gedichten der Poesie,
i siegt in Empathie und Friedensphilosophie,
i schwingt in Musik und Melodie,
in Intuition und in der Fantasie.
Licht ist wie Liebe und Energie.
Irrtum wird von Intelligenz korrigiert,
Wissenschaftler sind intrinsisch motiviert.
Ich bin unverzichtbar, ich kleines i:
Strich und Punkt, ein unsterbliches kleines Genie!

In Resonanz auf die Beschäftigung mit dem Klang eines Vokals / Jul. 2025
Christiane Ruthe

Aus dem Leben einer Kastanie

Ich habe Dich auf die falsche Fährte geführt. In dem bunten Umfeld der orangefarbenen Physalis und so vielen verschiedenen Früchten auf dem grünen Stoff wäre ich in der Vielfalt doch gar nicht aufgefallen. Aber ich habe mich so geschickt hingelegt, dass Du tatsächlich gedacht hast, ich bestünde aus drei Früchten. Ha, reingelegt.

Aber ich habe es geschafft, Deine Aufmerksamkeit zu erlangen, obwohl ich eigentlich schon etwas müde und welk bin. Meine Stacheln sind zwar spitz, aber recht weich und biegsam. Meine Schale ist grün, aber auch schon dunkel gepunktet, so dass sie an einer Stelle schon flächig dunkel erscheint. Komisch, meine Stacheln sind hier am größten. Das ist auch die Stelle, wo meine Schale den größten Riss bekommen hat. Eigentlich gibt es drei Linien in meiner Schale, aber eine ist komplett aufgegangen, und nur die anderen beiden halten meine Ummantelung noch zusammen. Trotzdem ich fühle mich noch geschützt.

Wie kam es dazu, und warum wollte ich Deine Aufmerksamkeit?
Ich hatte ein wunderschönes Leben an meinem Baum. Getragen von einem kräftigen Stängel, umgeben von vielen Freunden und behütet von großen kräftigen Blättern. Alles war wunderbar.

Aber dann wurde das Wasser knapp. Zuerst opferten sich die Blätter und ließen uns noch ihre letzten Tropfen zukommen, ehe sie im Wind dahinglitten. Sie wurden braun und fielen zuhauf auf den Boden. Der Sommer war so heiß und trocken, und es fühlte sich viel zu früh wie Herbst an.

Dann verlor mein geliebter Stängel an Kraft. Ich presste mich an ihn, hielt ihn ganz fest. Verlass mich nicht, schrie ich. Halte durch, der nächste Regen kommt bestimmt und dann können wir noch schöne Tage und Stunden im leichten Wind schaukeln. Ich wollte doch eine schöne, große Frucht werden. Eigentlich bin ich das auch, aber ich wollte noch mehr wachsen und das Leben genießen mit meinem mir verbundenen Stängel. Doch irgendwann schwanden seine Kräfte. Er gab alles, aber er konnte mich nicht mehr halten. Ich fiel zu Boden, und meine schützende Schale sprang auf.

Meine Schale wird es auch nicht mehr lange schaffen. Sie ist matt, kraftlos, aber sie hat alles aufgeboten, um meinen Fall zu mildern und mich nicht schutzlos preisgegeben.

Ich selbst bin groß, prall, glänzend und noch guter Dinge. Und genau deshalb wollte ich Deine Aufmerksamkeit. Selbst wenn meine Schale Deinen Berührungen nicht lange standhält. Mit ihren Stacheln versucht sie immer noch tapfer, Dich abzuwehren und alles von mir fernzuhalten. Trag ihr das nicht nach. Sie meint es gut.

Nimmst Du mich mit nach Hause und gibst mir und meiner Schale ein schönes Plätzchen? Vielleicht, wie bei Susanne, auf einem weichen Untergrund mit einigen Leidensgenossen, die zu früh ihre Bäume verlassen mussten? Ich würde Dir gerne Gesellschaft leisten und Dich mit meinem Anblick erfreuen. Solange es geht. Ich freue mich auf Dich, denn ich habe Dich ausgesucht und Deine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Enttäusch mich nicht. Lass uns Freunde werden!
Inger Etzel

Ständiger Wandel

Das nächste Farbenpotpourri. Wieder zwei Farben, die sie zur Zeit besonders beglücken: Rosa und Hellblau. Und wieder, sie entdeckt es gerade: Flaschengrün, so interpretiert sie es jedenfalls.
Farben sind neben Musik und Schreiben sowie der Natur eine große Kraftquelle für Isabelle. Früher mochte sie kein Gelb, heute liebt sie alle Farben: Jede Pflanze, jeden Strauch, alle Bäume, sie liebt sie so wie sie sind, in ihrer Einzigartigkeit. Den Himmel in all seinen Farbnuancen, sie liebt ihn täglich. Für Isabelle passen die Farben zur jeweiligen Jahreszeit und unabhängig davon, alles ist wie es ist: Schön. Sie kann auch das Grau lieben, den Nebel, wenn sie denn nicht ins Auto zu steigen braucht. Die Schneeflocken, Schmetterlinge des Winters, das Eis glitzernd vom Licht erhellt, alles ist wie es ist: Schön. Isabelle spürt in jedem Augenblick die Liebe, die sie umgibt, auch die Heilkraft der Farben, ihre Energie. Letztendlich ist es ein Gefühl, das sie stärkt: Eingebunden zu sein in die Schöpfung Gottes.
Besonders in die Stille, die Stille der Natur und in ihre Schönheit, die sich mit dem Licht von Sonne, Mond und Sterne ständig verändert wie sie und jedes Lebewesen auch. Gerne lenkt Isabelle den Focus ihrer Erinnerungen auf diese Farbigkeit.

Online-Schreibprojekt / Febr. 2025
Impuls: Giorgia O’Keefe, Rote Hügel mit Cerro Pedemal
Kerstin Linka

Leben

Leben ist weder von Struktur noch Präzision
Höchstens phasenweise organisiert und gewohnt.
Leben ist so wie ein Gemälde, das konfus ja auch chaotisch aussieht ohne erkennbare Strukturen.
Ein Konglomerat verschiedener Objekte, die alle für sich stehen, aber doch zusammengehören.
Wie ein Flickenteppich, der aus verschiedenen Stoffen besteht und doch ein neues Ganzes ergibt.
So ist das Leben mit all seinen alten und neuen Erfahrungen verbunden, aus Leichtigkeit und Anstrengungen, aus glücklichen und schmerzvollen Momenten, aus wundervollen und unperfekten Umständen. Du kannst Einzelne betrachten und dich erinnern, sie sind Teil von einem Ganzen: Dein Leben.
Durch all diese Erfahrungen und Momente schimmert dein Herz, deine Liebe als dein Begleiter.
Es nimmt all die, dich liebenden, Menschen auf.
Liebe so ein zerbrechlich abstraktes Konstrukt.
Liebe, die trotzdem so stark ist. Liebe auf unterschiedliche Art. Liebe, die unendlich währt.
Liebe so wundervoll und unperfekt.
Ein liebevoll unperfektes Leben wünsche ich jedem.

Impuls: Paula Modersohn-Becker, "Mutter und Kind"
Ramona Souren-Wisniewski

Ohne Titel

Ich spüre Veränderung in meinem Schreibprozess. Ich schreibe Texte, die ich zunächst gar nicht schreiben möchte und doch auch schreiben möchte. Ich schreibe sie ja – und es ist ein Widerstand damit verbunden. Welcher Widerstand? Aspekte aus meinem Inneren, mit denen ich mich nicht nach außen begeben möchte. Warum möchte ich das nicht? Ich zeige etwas, was vorher nur in mir „für mich“ existierte. Jetzt ist der Inhalt in einen Text gefasst, der gelesen oder gehört wird, auch von mir. Das Schreiben – auch nur für mich – macht öffentlicher, erkennbar. Das verändert Sicht und Wertigkeit. Resonanz wird möglich.
Susanne Hallwachs-Kammertöns

Wohltuende Erkenntnis...

Wohltuende Erkenntnis:
Sehen, was gut war, was gut ist.
Loslassen und sich neu finden.
Wohltuende Erkenntnis:
Komplizierte Knoten lösen sich in mir.
Bilder aus der Vergangenheit beginnen mich zu wärmen.
Wohltuende Erkenntnis:
Sehen, was gut war, was gut ist.
Marietta Schaefer


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